Freizeitverkehr: Günstige Tickets allein reichen nicht für den Umstieg auf den ÖV

Kilometerlanger Stau, überlastete Strassen und Ausweichverkehr: Der Sommer 2026 machte erneut deutlich, wie schnell die Verkehrsinfrastruktur der Schweiz an ihre Grenzen stösst, wenn viele Menschen gleichzeitig unterwegs sind. Eine neue Studie der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt, wie sich das Verkehrsverhalten bei Ausflügen und Ferienreisen tatsächlich beeinflussen lässt. Entscheidend sind weniger Preisreduktionen beim ÖV als vielmehr Gepäcktransport, Direktverbindungen und Parkplatzgarantie.

Verkehrsspitzen reduzieren und gleichzeitig mehr Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr bewegen: Beides gehört zu den zentralen Herausforderungen der Schweizer Verkehrspolitik. Im Auftrag des Bundesamts für Strassen ASTRA hat die HSLU deshalb untersucht, welche Massnahmen das Verkehrsverhalten bei nicht-alltäglichem Freizeitverkehr wie Tagesausflügen, Wochenendtrips und Ferienreisen tatsächlich beeinflussen.

Das Auto dominiert aus praktischen Gründen
Bei Ausflügen und Ferien werden rund 70 Prozent der Reisen mit dem Auto und 30 Prozent mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt. Besonders stark ist die Autonutzung, wenn eine Reise komplexer wird – etwa durch Gepäck, mitreisende Kinder, mehrere Reisetage oder ein Ziel im ländlichen Raum. Wer kein ÖV-Abonnement besitzt, reist in über 92 Prozent der Fälle mit dem Auto. «Die Verkehrsmittelwahl in der Freizeit ist keineswegs irrational», sagt Studienleiter Prof. Dr. Widar von Arx von der Hochschule Luzern. «Menschen entscheiden sich meistens für dasjenige Verkehrsmittel, das für ihre konkrete Reise schneller, günstiger oder schlicht praktischer ist. Wer den Freizeitverkehr verändern will, muss deshalb genau diese Entscheidungssituation verstehen.» Die Studie zeigt beispielsweise, dass bereits ein einziger zusätzlicher Umstieg für Reisende einen erheblichen Nachteil darstellt. Ein zusätzlicher Umstieg senkt die Wahrscheinlichkeit einer ÖV-Wahl bei Tagesreisen um 31 Prozent.

Parkplatzgarantie sorgt für Flexibilität beim Reisezeitpunkt
Besonders bemerkenswert ist, was Menschen dazu bringt, ihren Reisezeitpunkt zu verändern, um Verkehrsüberlastungen in Tourismus- und Berggebieten zu umgehen. Nicht die Höhe der Parkgebühren ist der stärkste Hebel, sondern die Gewissheit, am Ziel einen Parkplatz zu bekommen. Eine garantierte Parkmöglichkeit, etwa durch eine vorherige Reservation, erhöht die Flexibilität der Befragten deutlich: Ein spürbarer Teil von ihnen zeigt sich in diesem Fall bereit, die Hinreise zeitlich zu verschieben. Bei ungewisser Parksituation sinkt diese Bereitschaft hingegen drastisch. «Das eröffnet neue Möglichkeiten, Verkehrsspitzen zu glätten, ohne die Mobilität der Menschen grundsätzlich einzuschränken», sagt von Arx. «Mit einer Reservation erhalten Reisende Planungssicherheit, gleichzeitig lässt sich ihre Ankunft besser über den Tag verteilen.»

Direkte Verbindungen und Gepäckservice sind wichtiger als tiefe Preise
Wer Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr bewegen will, sollte laut Studie nicht primär bei den Preisen ansetzen. Vielversprechender sind Massnahmen, welche die praktischen Nachteile des ÖV beseitigen. Ein Tür-zu-Tür-Gepäckservice könnte den ÖV-Anteil bei den betroffenen Tagesreisen um bis zu 8 Prozentpunkte erhöhen. Auch für den letzten Abschnitt einer Reise sind gut aufeinander abgestimmte Angebote entscheidend. Ein dichter Takt und einfach kombinierbare Mobilitätsangebote können dazu beitragen, dass Reisende nicht für die gesamte Strecke das Auto nutzen. Besonders Personen mit einem bestehenden ÖV-Abonnement sind bereit, für den letzten Abschnitt ihrer Reise vom Auto auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen. Die Forschenden empfehlen deshalb, den Verkehr nicht mit einer einzelnen Massnahme steuern zu wollen. «Wer die Menschen erreichen will, muss ihre konkreten Bedürfnisse berücksichtigen. Planungssicherheit, einfache Verbindungen und eine angenehme Reise sind oft wirkungsvoller als reine Preissteuerung», sagt von Arx.

Zur Studie
Die Studie «Einfluss von Massnahmen auf das Verkehrsverhalten im nicht-alltäglichen Freizeitverkehr» wurde im Auftrag des Bundesamts für Strassen ASTRA von der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Rapp AG durchgeführt. Unter «nicht-alltäglichem Freizeitverkehr» verstehen die Forschenden Freizeitfahrten ausserhalb der täglichen Routinen, beispielsweise Tagesausflüge, Wochenendtrips und Ferienreisen. In sechs Teilprojekten untersuchte das Forschungsteam, wie sich die Verkehrsmittelwahl im Freizeitverkehr beeinflussen und Verkehrsspitzen auf der Strasseninfrastruktur entzerren lassen. Im Zentrum standen die Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr und die Frage, welche Massnahmen tatsächlich zu einer Veränderung des Verkehrsverhaltens führen. Grundlage der Studie waren unter anderem Verkehrszählungen, Befragungsdaten sowie Daten des Mikrozensus Mobilität und Verkehr. Diese schweizweite Erhebung liefert regelmässig Informationen zum Mobilitätsverhalten der Bevölkerung. Die komplette Studie gibt es hier zum Download.

Kontakt für Medienschaffende:
Hochschule Luzern Prof. Dr. Widar von Arx, Dozent und Projektleiter
T +41 41 228 42 88, E-Mail: widar.vonarx@hslu.ch


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Führungswechsel bei der BSG: Michael Hügli tritt die Nachfolge von Thomas Mühlethaler an

Wie im März 2026 angekündigt, vollzieht die Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft (BSG) den Wechsel an der Geschäftsleitungsspitze. Michael Hügli hat am 1. August 2026 bei der BSG gestartet und wird seither von Thomas Mühlethaler eingearbeitet. Für einen nahtlosen Übergang bleibt dieser der BSG bis Ende September 2026 erhalten. Die operative Geschäftsleitung übernimmt Michael Hügli bereits am 1. September 2026.

«Ich übergebe meinem Nachfolger eine BSG, die trotz schwierigen Rahmenbedingungen operativ auf Kurs ist. Jedes Jahr begrüsst unsere motivierte Crew über 300’000 Kundinnen und Kunden auf unseren Schiffen», sagt Thomas Mühlethaler, der die letzten zehn Jahre an der Spitze des Unternehmens stand.

Michael Hügli, Jahrgang 1975, ist im Seeland aufgewachsen und wohnhaft. Er ist Betriebsökonom FH mit Vertiefungsstudium in Freizeit- und Tourismusmarketing. Seine Erfahrung in Unternehmensführung, Marketing und Digitalisierung sammelte er in der Finanzbranche sowie im öffentlichen Verkehr. «Ich freue mich, das touristische Zugpferd der Region Drei-Seen-Land in die Zukunft zu führen und die eingeschlagene Strategie weiterzuentwickeln», so Michael Hügli.

Die Übergabe der Geschäftsführung erfolgt bewusst mitten in der laufenden Saison: Der Sommerfahrplan gilt noch bis zum 4. Oktober 2026. Die BSG entwickelt sich zunehmend zu einem Ganzjahresbetrieb: Bis Ende Oktober werden Kursfahrten auf der Aare sowie auf allen drei Seen angeboten, auf dem Bielersee verkehren die Kursschiffe sogar bis Anfang Dezember. Auch in den Wintermonaten bietet die BSG Extrafahrten an – etwa für Weihnachtsessen von Firmen oder EventFahrten in der Silvesternacht.

Infos für Medienschaffende: Bielersee Schifffahrt, Michael Hügli, Badhausstrasse 1a, 2501 Biel/Bienne, michael.huegli@bielersee.ch


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